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Art'n Schutz auf Tonträger!

Anhörproben aus der neuen CD:

Alles das (Ludger Singer)
Con Leggerezza (Heribert Leuchter)
Thanassi Blue (Jürgen Sturm)
Tango im Knopfloch (Ludger Singer)
Talking Blues (Heribert Leuchter)
Warten (Jürgen Sturm)

 

hier mehr Infos >>> hier die Presse >>> CD-Release Konzert 18.11.2015 >>>

Zur Veröffentlichung der neuen CD:

Berthold Franke, Prag September 2015

Art’n Schutz - handelt es sich um bedrohte Großsäuger? Orchestraler Jazz im offenen Feld zwischen freier Improvisation und fein ausgeschriebenem Stück-Werk war nie in Gefahr übergroßen evolutionären Erfolgs, musikalische Kaninchenplagen sind aus anderem Stoff. Hier kommt ein neungliedriges Lebewesen, zart und robust zugleich, sperrig und schillernd in einem. Kunst ganz ohne Gehege.

Dabei ist diese Musik nie zurückhaltend, reduziert, moderat, sie ist nicht einmal gelassen. Vielmehr ist sie expressiv, konzentriert, temperiert. Fast möchte man sagen "wohltemperiert", hier im Sinne hoch bewusster, balancierter Wahl der Mittel.

Die meisten Parameter - Dynamik, Tempo, Improvisations- und Kompositionsanteile, Klangkörper – stehen in Mittellage. Das gibt es nicht ohne Wagnis, etwa bei jener schwierigen Kunst der Kollektivimprovisation, die hier sehr aufmerksam und ohne Kraftmeierei geübt wird. Eben "wohl temperiert".

Und in einer Disziplin ist diese Musik wahrhaft opulent: im Klang. Differenz und Wohlklang prägen diese Aufnahmen, delikate Mischungen und Kontraste, die im Kopf bleiben noch lange nach dem Ausklang. Musik mit Ohrputzer-Qualitäten.

Gute Hardware wird empfohlen. Denn ein medialer Großsäuger ist tatsächlich vom Aussterben bedroht, die HiFi-Technik mit ihrer Einladung zu kontemplativem Privatgenuss. Daher: um Gottes Willen nicht (bzw. nur im äußersten Notfall) diese kostbare Musik in komprimierten Datenformaten hören, oder gar aus insuffizienten In-Ear-Kopfhörern, sondern vorzugsweise über feines Audio-Equipment in ordentlicher Lautstärke.

Infotext *** Kurzbiografien *** Discographie

aktuelle Besetzung:

Anirahtak - Stimme
Uli Jend - Sopran-, Altsaxophon 
Christoph Titz - Trompete, Flügelhorn
Heribert Leuchter - Bariton-, Alt- und Sopransaxophon
Ludger Schmidt - Cello
Jürgen Sturm - Gitarre
Ludger Singer - Klavier, Posaune
Lothar Galle-M. - Bass
Hans Günter Eisele - Schlagzeug

 

 

 

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Das Art´n Schutz Orchester ist eng verbunden mit dem kooperativen Label LUXaries Records. So liest sich ein Großteil der Veröffentlichungen von LUXaries Records (und weiterer Firmen) wie eine Geschichte sich kreuzender Pfade der Musiker und Komponisten, welche diesem Pool entstammen.

Das Art´n Schutz Orchester ist ein junges Ensemble, gegründet 2004, mit dem erklärten Ziel, die klanglichen Möglichkeiten üblicher Klein- und Kleinstbesetzungen zu erweitern und unabhängig von wackelnden Etats und langfristiger Planung, die oben erwähnte, gewachsene Spieltradition zu bündeln und zu kultivieren. Somit funktioniert der Klangkörper als "Band-Werkstatt".
Für öffentliches Aufsehen sorgte das Art´n Schutz Orchester beim Debutkonzert am 1.1.2005 vor ausverkauften Haus auf der Aachener Klangbrücke und beim Kooperationsprojekt mit der Band "Freshlyground" aus Kapstadt (Agenda 21 -Städtepartnerschaft) mit Arbeitswoche, gemeinsamen Konzerten und Tonaufnahmen. Gleichwohl die Besetzung aus dem Musikerpool wechseln kann, hat sich eine bevorzugte Instrumentierung als zu kultivierendes Ideal herausgestellt:
Stimme, Viola, Violoncello, 2 Saxophone, Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug. Die Arbeitsweise und Konzertgestaltung entsprechen dem improvisatorischen Umgang mit flexiblen (kollektiven) Arrangements zu Kompositionen von Heribert Leuchter, Ludger Singer und Jürgen Sturm, oder möglichen Gästen. Das Ergebnis darf als "Europäischer Jazz" gehört werden.

Das erstklassig besetzte Art´n Schutz Orchester besteht aus Berufsmusikern von unspektakulärem Bekanntheitsgrad. Zwei von ihnen genossen bislang beruflichen Kontakt zum Goethe Institut: Anirahtak, nahm als Sängerin auf Einladung des Goethe Institut Warschau 1992 am "International Meeting of Jazz Vocalists" der "Polish Jazz Society" teil; und Heribert Leuchter, der als Saxophonist der Manfred Leuchter Band im Auftrag des Goethe Institutes in den letzten drei Jahren Indien, Rumänien, Griechenland, die Staaten des Nahen Ostens, Marokko und Litauen bereiste.

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Kurzbiografien:

ulla.jpg (55656 Byte)Anirahtak - Stimme, geb. 1960 in Köln; Autodidaktin; Seit 1982 Auftritte als Jazzsolistin; diverse CD-, Rundfunk- und Theaterproduktionen; Zusammenarbeit mit Tänzern und verschiedenen Musikern und Ensembles u.a. Jürgen Sturm; Paul Lovens; Uli Lask; Christian Ramond
Gleichwohl sie den syllabischen Stoff ihrer Melodien zu improvisieren gewohnt ist, kleine Textfragmente erfindet oder ihre Stimme "skatfrei" instrumental einsetzt, erfuhren gerade ihre Interpretationen von Kurt Weill Songs ansehnliche Beachtung (nachzuhören auf den CDs: "Das Kurt Weill Programm" 1989, "Berlin-Paris-New York" 1992, Nabel Records). 1992 Erster Preis beim "International Meeting of Jazz Vocalist" in Zamosc, vergeben von der "Polish Jazz Society". 1992 "Kulturförderpreis" der Stadt Aachen.

 

heribert.jpg (74118 Byte)Heribert Leuchter - Sopran- und Baritonsaxophon, geb. 1954 in Aachen, Studien in Boston, Aachen und Köln,
gefällt in seinem Saxophonspiel durch Ökonomie in der Linie und Dramaturgie im Klang. Neben Mitwirkung in diversen Ensembles, etwa in der "Manfred Leuchter Band" (4 CDs, ausgiebige nationale und internationale Tourneetätigkeit ) ist ihm Hauptanliegen für sein 1983 gegründetes LUX-Orchester zu komponieren und mit meist reputierten Gästen (Helen Vita, Kate Westbrook) zu produzieren (3 CDs, Rundfunkaufnahmen). Jüngere Auftragskompositionen mit dem LUX-Orchester sind "KlangWeltReligion" (Dt. Bischofskonferenz, EXPO2000), "Reich durch A.R.M." (WDR, Rheinsches Musikfest 2003).
Zahlreiche Kompositionen, Produktion und Aufführungen von Bühnen- und Filmmusiken.
Dient dem Art´n Schutz Orchester nicht zuletzt als erfahrener Leiter großer Bands und Komponist.
"Kulturförderpreis" der Stadt Aachen (1988), "Aachener Musikpreis" der "Gesellschaft für Zeitgenössische Musik" Aachen (2000).

 

Uli.jpg (61444 Byte)Uli Jend - Sopran- und Altsaxophon, geb. 1967 in Alsdorf,
Musikstudium in Aachen, lebt in Köln.

Christoph Titz - Trompete, Flügelhorn, geb. 1967 in Aachen ist ein deutscher Jazz-Trompeter Er spielt eine Mischung aus Jazz, Latin, Elektronik und Pop. Der in Aachen aufgewachsene, in Berlin lebende und arbeitende Trompeter spielt Jazz seit seinen Anfängen zu Beginn der 1990er Jahre.

jürgen.jpg (58927 Byte)Jürgen Sturm - Gitarre, geb. 1954 in Aachen
Früh Jazz-inspiriert durch Akkordeon spielenden Vater.
Studien in Aachen, Köln, München und Boston.
Erfand 1982 mit den "Ballstars" einen klaren Vorgänger des Art´n Schutz Orchesters, so in etwa dessen pubertäre Vorahnung.
Riskierte recht außergewöhnliche Arrangements von Kurt Weill Songs
im Weill-Jahr 1989 und erntete mit "Anirahtak und der Jürgen Sturm Band" großen Zuspruch (2 CDs-Tourneen).
Versucht seit Jahren mit dem Bassisten Lothar Galle-Merkel die Kultivierung eines symbiotischen Verhältnisses, genannt: die linke und die rechte Hand des Klaviers. Pflegt einen selten unverfremdeten, bemerkenswert wandelbaren Jazzgitarrenklang. Komponiert für das Art´n Schutz Orchester und ist sein derzeitiger gewählter musikalischer Leiter, eine Art Schutzbeauftragter.

Ludger_Singer.jpg (67272 Byte)Ludger Singer - Klavier, geb. 1960 in Paderborn,
Studien in Paderborn, Detmold und Freiburg. Pianist, Posaunist, Sänger, Komponist und Physiker, agiert seit 1986 in Aachen als Multiinstrumentalist mit einer nicht enden wollenden Anzahl von Instrumenten und Ideen in einem kaum überschaubaren stilübergreifenden Feld : Stummfilmmusiken, Lyrikvertonungen, improvisierende Ensembles aller Disziplinen, Kirchenorgel, Theatermusiker mit Posaune, Korrepetitor, 3. Platz "Deutscher Folkförderpreis" 1994, Coleader der Avantgarde-Rockband "Art de Fakt"(4CD)... Projekte und immer neue adhoc Partnerschaften mit: u.a. Karl Berger, Albrecht Maurer, Paul Lovens, Christopher Dell, dem Dadaisten Raymond Federman und natürlich den Art´n Schützern.
Virtuoser orchestraler Umgang als Solist mit dem Flügel in eigenen, auf grenzgängerische Weise dem Jazz zugetanen Projekten (nachzuhören auf den meisten seiner 14 CDs).
Da orchestrale Pianisten für Orchester leicht unverdaulich werden, behauptet er seinen Platz am Klavier nicht nur durch große Pausen, sondern auch durch immer neue Kompositionen und sein absolutes Gehör.

Ludger Schmidt - Violoncello, Geb. 1958
Studium in Detmold. Inspiriert durch den (Free-)Jazz der 70ger Jahre, die ihn umgebende Bochumer Rockszene und den Kontakt zu dem Avantgardemusiker und Komponisten Perverez Mirza, beschäftigt er sich seither mit improvisierter Musik.
Der Sohn des Ruhrpotts ist zu hören u.a. mit Theo Jörgensmann oder Eckehard Koltermann´s "Collage 11" und '"The Dorf". Sich und seinem Cello hat er im Laufe der Zeit einen erweiterten Klangschatz geschaffen (5 CDs). Sein dramaturgisches Geschick beschert ihm zahlreiche Engagements an Schauspielhäusern.
Eine für Misha Mengelberg zusammengestellte Projektband begründete 1991 eine latente Verbindung nach Aachen. Es folgten zwei Produktionen und Konzertreisen mit Anirahtak, Paul Lovens und Jürgen Sturm (1 CD). Lebt in Schwerte.

lothar.jpg (72466 Byte)Lothar Galle-Merkel - Bassgitarre, geb. 1957 in Aachen
Begann als Mandolinenspieler, wurde alsbald Bassist in regionalen Rockbands und beendete diese frühe musikalische Orientierungsphase mit dem Studium der klassischen Gitarre in Aachen und Köln. Wendete sich alsbald der improvisierten Musik, dem Free Jazz und dem Jazz zu, u.a. Mitwirkender im LUX-Orchester. Ist gern gehörter Begleiter von Sängerinnen, der bestgekleidete Mann jeder Band und pflegt eine Nebenexistenz in der regional populären Band "Blues Delivery", wo er alles was Saiten hat zum grooven bringt.

eisele.jpg (55503 Byte)Hans Günter Eisele - Schlagzeug, geb. 1956 in Aachen
Studierte in Aachen, Köln und Hamburg
Vielseitiger Begleiter präzise organisierter Klangkörper wie Big Bands,
Unterhaltungsorchester, dem heimischen Symphonieorchester Aachen usw.
Hat die höchste TV-Präsenz aller Art´n Schützer: Seit 1982 brachte er jährlich am Drumset Ordnung in die gefürchteten Kapellen der Aachener Karnevals-sitzung "Wider den tierischen Ernst", wo ja bekanntlich gleichnamiger Orden an komische Käuze verliehen wird. Im Jahr 2004 quittierte er den Job.
Kleinen kooperativen Ensembles jedoch liefert er klangliche Sensibilität mit der Würze eines gelegentlich erfrischenden Unernstes.

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Ryan.jpg (73744 Byte)Ryan Carniaux - Trompete, geb. in New York City, USA
Lebt seit 2003 in Europa.
Studierte am Berklee College Of Music, Boston.
Spielt mit vielen Musikern der internationalen Jazzszene, darunter:
Dennis Rowland, Tiger Okoshi, Doug Sides, Kirk Lightsey, Nicolas Simion, Uwe Plath, Mark Murphy, Daryl Hall, Eric Alexander, Randy Brecker, Ondrev Stvarchek, Tim Hagans, Paul Lovens, Christian Mcbride, Sammy Duehsler, Manfred Schoof, Gerd Dudek.
Ist mit einer Vielzahl von Projekten auf den wichtigsten Festivals und Bühnen Europas, sowie diversen Tonträgern zu hören: North Sea Jazz Festival, Corsica Jazz Fest, Promising Artists Of the 21st Century Tour of Costa Rica, Jazz Fest Curacao, Jazz Days Bratislava, Jazz Fest Bukarest

Alex JanßenAlex Janßen - Altsaxophon und Flöte, Geb. 1977 in Aachen
Lernt erst Schlagzeug dann Klavier, dann Saxophon. Letzteres studierte er bis Frühjahr dieses Jahres an der Volkwangschule in Essen. Künstlerische Reifeprüfung. Jüngstes und neuestes Mitglied des Musiker-Pools. Erste Meriten mit seiner derzeitigen Band "Global Confusion Project" für die er wildernd in Reggae, (Free-) Jazz und Folk komponiert. Lebt in Essen.

 

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Auswahldiscographie:

LP "Blue News" Nabel Rec. 1982
(Jürgen Sturm´s Sidestream - Quartett & Gäste)

LP/CD "Tango Subversivo" Nabel Rec. 1984
(Jürgen Sturm´s Ballstars - Tentett)

LP "LUX-Orchester" veraBra Rec. 1984
(LUX-Orchester - 12 Musiker)

LP/CD "Das Kurt Weill Programm" Nabel Rec. 1989
(Anirahtak u. die Jürgen Sturm Band - Quintett)

CD "Berlin Paris New York-Songs by Kurt Weill" Nabel Rec.1992
(Anirahtak u. J. St. Band - Quintett)

CD "Neue Lieder für den verdorbenen Menschen" LUXaries Rec. 1993
(Lux-Orchester - 16 Musiker)

CD "Gebete der Nacht" LUXaries Rec.
(Anirahtak, Lovens, Schmidt, Sturm)

CDs "Klavier und Saxophon" LUXaries Rec. 1994
"I mean U" LUXaries Rec. 1997
(beide: Heidtmann-Leuchter Duo)

CD "...zufällig Absicht!" LUXaries Rec. 1997
(Petra Welteroth & Band)

CD "R" LUXaries 1999
(Jend Eisele Sturm)

CD "Anirahtak und Jürgen Sturm Duo" LUXaries Rec. 1999

CDs "sparito", Chroma Music 1999
"Arabesque", LUXaries Rec. 2001
"Nomade", LUXaries 2003
"space", LUXaries 2005
(Manfred Leuchter Band - Sextett & Gäste)

CD (unveröffentlichte Kooperation mit "Freshlyground", Mai 2005)

CD "Zina", LUXaries Rec. 2006
(Manfred Leuchter Band - Sextett & Gäste)

CD "Reset", LUXaries Rec. 2006
(Heribert Leuchter Trio & Kate Westbrook)

CD "guter stoff" LUXaries Rec. 2007
Sturm Trio
(Sturm, Galle-M., Eisele)

CD "Nah dran" LUXaries Rec. 2007
(Petra Welteroth & Band)

CD "Lorelei" AO_NRW 2010
(Anirahtak, Lask, Sturm)

CD "Sounds of Science" LUXaries Rec. 2009
(Heribert Leuchter & Christoph Titz)

CD "Windladen" LUXaries Rec. 2011
(Heribert Leuchter & Lutz Felbick)

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Art´n Schutz Orchester, Aachen im Januar 2014

von Heribert Leuchter

Die Frage „Gibt es heutzutage noch freie Kulturorchester?“ ist nicht so leicht zu beantworten. Gemäß Radio Eriwan könnte die Antwort beginnen mit: „Im Prinzip ja!“, denn es gibt das Aachener Art´n Schutz Orchester, seit nunmehr 10 Jahren!

Nicht kommerziell, avantgardistisch frech und mit immer neuen, überraschenden Musikprogrammen bereichern die 7-9 Musiker und Komponisten in einer kammerorchestralen Formation die Aachener Kulturszene. Hervor gegangen ist das Art´n Schutz Orchester aus einen Musiker-Pool von kleineren Ensembles, die beim autonomen Plattenlabel LUXaries Records ihre Eigen-Veröffentlichungen realisieren.
Regelmäßig am 1. und 2. Januar eines jeden Jahres wurde das Jahresbegrüßungskonzert auf der Klangbrücke abgehalten. Viele Fans, zum Teil lange Anfahrtswege nicht scheuend, erhoben die Konzerte bald zum Kult. Mit wachsender Begeisterung wurden Uraufführungen gefeiert, Crossover Themen aufgegriffen, Ausstellungen zum Konzert lanciert, Trophäen vergeben und Kultur-Patenschaften ausgesprochen. Womit angedeutet wird, dass die Art´n Schutz Orchester-Konzerte nicht reines Abspielen von Musik sind, sondern vielmehr Bekenntnisse zu einer Kunstform, deren integrale Merkmale Mut zur Veränderung und Inkaufnahme des Scheiterns als unverzichtbare Attribute von Kunstkultur, die im Moment entsteht, gesehen werden müssen: Improvisationen als Grundprinzip für Lebensäußerung und Gestaltungskraft.

Aber, die oben gestellte Frage könnte auch ganz anders beantwortet werden: „Im Prinzip ist das freie Kulturorchester ein Ding der Unmöglichkeit“, denn abseits des Mainstream - zu dem neben den internationalen Pop-Events auch die etablierte Sinfonische Musik und die klassische Kammermusik gezählt werden müssen – gibt es de facto keinen „Markt“ für originelle, originäre Musik.

Dieser „Markt“ will just mittels Massen-Kompatibilität erobert werden oder wird – wie bei institutionalisierten Kulturträgern - schlichtweg auf Subventionswegen umgangen. Das Beharren auf dem Anspruch, zu allererst künstlerisch tätig zu sein, und hierin den eigentlichen Beitrag zur Jetzt-Kultur zu sehen, wirkt sich demnach im gleichen Maße „geschäftsschädigend“ aus wie die fragwürdige Förderpolitik für die Klangkörper in öffentlicher Trägerschaft, die dem Wettbewerb in weiten Teilen Europas entzogen sind.

Ein möglicher Bewegungsfreiraum für Protagonisten von spannenden musikalischen Neuschöpfungen entstünde in autonome Nischen dort, wo privates Engagement Kulturereignisse abseits der etablierten Orte ermöglicht. Der Unterschied zur steuerfinanzierten Musikkultur wäre eminent, denn privates direktes Engagement führt zur konkreten Umsetzung eines Programmes, zur Realisierung eines konkreten Konzertes, zur Durchführung eines genau beschriebenen Konzeptes und nicht zur anonymen Verwaltung von Zuständigkeiten per Mandat.

Das Aachener Art´n Schutz Orchester hat das Potential, einen erfrischend lebendigen, qualitativ hochwertigen Beitrag  zur Musik der Gegenwart in Aachen und darüber hinaus zu leisten. Mit einer Tondokumentation als Materialerfassung der zahlreichen Uraufführung der vergangenen Jahre, mit einer Professionalisierungskampagne mit begleitendem Marketing und mit dem effektiven öffentlichen Beweis: „Ja, freie Kulturorchester sind möglich, denn es gibt sie unter uns!“ werden sich neue Möglichkeiten der Publikumsansprache auftun. Dem geneigten kulturinteressierten Bürger wird eine Alternative zum herkömmlichen Spielbetrieb auf etablierten Bühnen mit erprobtem Repertoire und altbekannten Konzepten geboten. Voraussetzung für das Gelingen sind neben gesunder Neugier, die Bereitschaft zur kollektiven Trägerschaft und ideelle wie materielle Unterstützung der Akteure. Soweit würde Radio Eriwan sich dann wohl doch nicht vorwagen...?

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Aktuelles  * Produktionen * Musiker * Archiv * Kontakt letzte Aktualisierung: 11.11.2015